Mit dem Dehnen anzufangen, kann sich überwältigend anfühlen. Es gibt unzählige Techniken, widersprüchliche Ratschläge und das ungute Gefühl, dass du wahrscheinlich etwas falsch machst. Solltest du dich vor oder nach dem Training dehnen? Wie lange solltest du jede Position halten? Ist Schmerz normal?
Dieser Guide beantwortet diese und weitere Fragen. Wir behandeln die Grundlagen des Dehnens, stellen dir eine einfache Routine vor, mit der du heute noch anfangen kannst, und zeigen dir realistisch auf, was du mit regelmäßigem Training erreichen kannst.
Keine Vorerfahrung nötig. Du musst nicht extrem beweglich sein. Alles, was du brauchst, ist die Bereitschaft, jeden Tag ein paar Minuten in deine Mobilität zu investieren.
Warum überhaupt dehnen?
Bevor wir uns der Technik widmen, hilft es zu verstehen, was Dehnen eigentlich bewirkt.
Verbesserte Beweglichkeit (Range of Motion): Regelmäßiges Dehnen vergrößert den Bewegungsradius deiner Gelenke. Das erleichtert alltägliche Aktivitäten und lindert das Steifheitsgefühl, das durch langes Sitzen entsteht.
Weniger Muskelverspannungen: Dehnen hilft, Verspannungen zu lösen, die sich durch einseitige Haltungen (wie Sitzen) oder körperliche Aktivität aufbauen. Wenn diese Spannung nachlässt, fühlst du dich in deinem Körper oft entspannter und wohler.
Besseres Körpergefühl: Die fokussierte Aufmerksamkeit beim Dehnen fördert die Propriozeption – also die Wahrnehmung deines Körpers im Raum. Dieses Bewusstsein überträgt sich auf andere Aktivitäten und kann deine Koordination verbessern.
Verletzungsprävention: Auch wenn die Studienlage zu Dehnen und Verletzungsprävention differenziert ist, hilft eine gute Flexibilität dabei, dass dein Körper Belastungen standhält, ohne sich zu überlasten.
Stressabbau: Die Kombination aus bewusster Atmung, sanften Bewegungen und bewusster Ruhezeit macht Dehnen zu einer Form der aktiven Entspannung. Vielen Menschen hilft es, Stress abzubauen und besser zu schlafen.
Eine Meta-Analyse aus dem Jahr 2021 bestätigte, dass „ein Minimum von fünf Wochen Intervention und zwei wöchentlichen Einheiten ausreichten, um den Bewegungsradius zu verbessern.“1 Das bedeutet, dass du schon mit moderatem, aber regelmäßigem Einsatz spürbare Ergebnisse erzielen kannst.
Arten des Dehnens
Dehnen ist nicht gleich Dehnen. Verschiedene Techniken erfüllen unterschiedliche Zwecke:

Statisches Dehnen
Das ist es, was die meisten Menschen vor Augen haben, wenn sie ans Dehnen denken: Du nimmst eine Position ein und hältst sie über einen längeren Zeitraum.
Wie es funktioniert: Du bringst einen Muskel in seine Endposition und hältst diese, sodass sich das Gewebe allmählich entspannen und verlängern kann. Eine Meta-Analyse von 19 Studien bestätigte, dass statisches Dehnen die Flexibilität der Hamstrings bei gesunden Erwachsenen effektiv verbessert.2
Dauer: 30–60 Sekunden pro Dehnübung sind in der Regel optimal, um beweglicher zu werden.
Wann du es nutzen solltest: Nach dem Training, als eigenständige Mobility-Einheit oder vor dem Schlafengehen. Statisches Dehnen ist das Fundament, um flexibler zu werden.
Beispiel: Die Zehen berühren und die Position 45 Sekunden lang halten.
Dynamisches Dehnen
Hierbei handelt es sich um kontrollierte Bewegungen durch den gesamten Bewegungsradius, ohne eine bestimmte Position zu halten.
Wie es funktioniert: Du bewegst den Körper aktiv und führst die Gelenke rhythmisch durch ihren maximal möglichen Bewegungsradius.
Dauer: 10–15 Wiederholungen pro Bewegung oder 30–60 Sekunden durchgehende Bewegung.
Wann du es nutzen solltest: Vor dem Training, als Warm-up oder direkt morgens nach dem Aufstehen, um die Steifheit abzuschütteln.
Beispiel: Beinschwünge, Armkreisen, Walking Lunges.
PNF-Dehnen (Propriozeptive Neuromuskuläre Fazilitation)
Bei dieser Technik spannst du einen Muskel an, bevor du ihn dehnst – meistens mit einem Partner oder gegen einen Widerstand.
Wie es funktioniert: Die Muskelkontraktion löst neurologische Mechanismen aus, die anschließend eine tiefere Entspannung und Dehnung ermöglichen.
Dauer: 5–10 Sekunden anspannen, dann 20–30 Sekunden dehnen.
Wann du es nutzen solltest: Wenn du beim statischen Dehnen ein Plateau erreicht hast oder wenn du mit einem Partner oder Therapeuten trainierst.
Beispiel: Spanne deine Hamstrings an, indem du dein Bein 6 Sekunden lang gegen einen Widerstand drückst, entspanne dann und dehne tiefer.
Für Anfänger: Fokus auf statisch und dynamisch
Als Anfänger bist du mit statischem und dynamischem Dehnen bestens bedient. PNF-Techniken kannst du später hinzufügen, wenn du eine feste Routine etabliert hast.
Wie oft und wie lange
Die wichtigste Variable beim Aufbau von Flexibilität ist Beständigkeit. Die Forschung zeigt immer wieder, dass regelmäßiges Training bessere Ergebnisse liefert als gelegentliche, intensive Einheiten.
Empfehlungen zur Häufigkeit
Minimale effektive Dosis: 2–3 Einheiten pro Woche Optimal für Fortschritte: 4–6 Einheiten pro Woche Erhaltung: 2–3 Einheiten pro Woche, sobald du deine Ziele erreicht hast
Tägliches Dehnen ist für die meisten Menschen sicher und kann den Fortschritt beschleunigen, aber auch drei Einheiten pro Woche führen mit der Zeit zu messbaren Verbesserungen.
Dauer der Einheiten
Schnelle Erhaltung: 5–10 Minuten Gezielter Aufbau: 15–25 Minuten Umfassende Einheit: 30–45 Minuten
Für Anfänger sind Einheiten von 10–15 Minuten ideal. Das reicht aus, um die wichtigsten Muskelgruppen anzusprechen, ohne dass es sich wie eine lästige Pflicht anfühlt.
Haltedauer
Die Wissenschaft empfiehlt, statische Dehnübungen für 30–60 Sekunden zu halten, um die Flexibilität optimal zu verbessern.3 Kürzere Haltezeiten (unter 15 Sekunden) setzen oft keinen ausreichenden Reiz, während längeres Halten bei den meisten Menschen kaum noch zusätzlichen Nutzen bringt.
Für den Anfang sind 30 Sekunden pro Dehnübung ein gutes Ziel.
Die wichtigsten Dehnübungen für Anfänger
Diese acht Dehnübungen zielen auf die Bereiche ab, die am häufigsten verspannt sind. Zusammen bilden sie eine komplette Ganzkörper-Routine, die etwa 15 Minuten dauert.
1. Nackenkreisen und -neigen
Warum: Unser moderner Alltag (Smartphones, Computer) führt zu chronischen Nackenverspannungen.
So geht’s:
- Neige deinen Kopf sanft zu einer Seite und bringe das Ohr in Richtung Schulter.
- Halte die Position 20–30 Sekunden und wechsle dann die Seite.
- Lasse deinen Kopf langsam kreisen, 5 Mal in jede Richtung.
- Vermeide es, den Nacken mit Gewalt nach hinten zu überstrecken oder zu stauchen.
2. Schulterkreisen und Cross-Body-Stretch
Warum: Schultern verspannen sich durch Schreibtisch-Arbeit und Stress.
So geht’s:
- Kreise die Schultern in großen Bewegungen nach hinten, 10 Mal.
- Kreise sie dann nach vorne, 10 Mal.
- Für den Cross-Body-Stretch: Führe einen Arm quer über deine Brust und ziehe ihn mit der anderen Hand sanft näher an dich heran.
- Halte die Position 20–30 Sekunden pro Seite.
3. Katze-Kuh
Warum: Das mobilisiert die gesamte Wirbelsäule, die durch langes Sitzen steif wird.
So geht’s:
- Starte im Vierfüßlerstand.
- Einatmen: Lass den Bauch sinken, hebe Kopf und Steißbein an (Kuh).
- Ausatmen: Mache einen runden Rücken in Richtung Decke, ziehe Kinn und Steißbein ein (Katze).
- Bewege dich für 10–15 Atemzüge langsam zwischen den Positionen.
Hier findest du das: Unser Morning Shake Primer nutzt Katze-Kuh, um die Wirbelsäule aufzuwecken.

4. Hüftbeuger-Dehnung (Low Lunge)
Warum: Durch das Sitzen bleiben die Hüftbeuger stundenlang verkürzt. Das macht diese Übung zu einer der wichtigsten für unseren modernen Alltag.
So geht’s:
- Knie dich auf ein Bein, der andere Fuß steht vorne im Ausfallschritt.
- Kippe dein Becken nach hinten (mache den unteren Rücken flach).
- Lehne dich sanft nach vorne, während du die Beckenkippung beibehältst.
- Du solltest die Dehnung an der Vorderseite der Hüfte des knienden Beins spüren.
- Halte die Position 30–45 Sekunden pro Seite.

5. Hamstring-Dehnung
Warum: Verkürzte Hamstrings tragen zu Rückenbeschwerden bei und schränken dich beim Bücken ein.
So geht’s:
- Setze dich auf den Boden. Ein Bein ist ausgestreckt, das andere angewinkelt, sodass der Fuß an der Innenseite des Oberschenkels anliegt.
- Greife in Richtung des ausgestreckten Fußes und halte deinen Rücken dabei relativ gerade.
- Halte die Position 30–45 Sekunden pro Seite.
Alternative: Lege dich auf den Rücken und ziehe ein Bein zu dir heran, während du es gerade hältst. Nutze bei Bedarf ein Handtuch oder einen Gurt um den Fuß.

6. Piriformis- / Figure-Four-Stretch
Warum: Diese Übung zielt auf die tiefe Hüftmuskulatur ab, die oft zu Verspannungen in Hüfte und Rücken beiträgt.
So geht’s:
- Lege dich mit aufgestellten Beinen auf den Rücken.
- Lege einen Knöchel über das gegenüberliegende Knie.
- Ziehe das Bein, auf dem der Fuß liegt, in Richtung deiner Brust.
- Halte die Position 30–45 Sekunden pro Seite.

7. Quad-Dehnung
Warum: Der Quadrizeps arbeitet ständig beim Gehen und beim Aufstehen aus dem Sitzen, wodurch er oft verkürzt.
So geht’s:
- Stelle dich für eine bessere Balance in die Nähe einer Wand.
- Beuge ein Knie und bringe deine Ferse in Richtung Gesäß.
- Greife deinen Knöchel und ziehe sanft daran.
- Halte die Knie zusammen und das Becken leicht nach hinten gekippt.
- Halte die Position 30–45 Sekunden pro Seite.
8. Child’s Pose (Haltung des Kindes)
Warum: Diese entspannende Position dehnt sanft den Rücken, die Hüften und die Schultern und bietet dir gleichzeitig einen Moment der Ruhe.
So geht’s:
- Knie dich auf den Boden und setze dich auf deine Fersen.
- Beuge dich nach vorne und strecke die Arme vor dir aus.
- Lege deine Stirn auf dem Boden ab.
- Halte die Position 30–60 Sekunden und atme dabei tief durch.
Hier findest du das: Unser Bedtime Release Flow endet zur Entspannung mit der ausgestreckten Child’s Pose.

Deine erste Woche: Ein einfacher Plan
Tag 1–2: Lerne die Dehnübungen kennen
Gehe jede der acht Dehnübungen langsam durch. Konzentriere dich darauf, die Positionen zu verstehen, anstatt auf maximale Dehnung zu gehen. Halte jede Übung für nur 20 Sekunden.
Gesamtdauer: 10–12 Minuten
Tag 3–4: Baue die Routine auf
Führe alle acht Dehnübungen aus und halte sie jeweils 30 Sekunden lang. Achte auf deine Atmung und versuche, beim Ausatmen tiefer in die Position hinein zu entspannen.
Gesamtdauer: 12–15 Minuten
Tag 5–7: Werde beständig
Führe die komplette Routine weiter fort. Achte darauf, welche Dehnübungen sich am nötigsten anfühlen und welche dir leichter fallen. Dieses Bewusstsein hilft dir, dein Training mit der Zeit individuell anzupassen.
Gesamtdauer: 15 Minuten
Mache nach der ersten Woche mit 4–5 Einheiten pro Woche weiter. Unser Total Body Reset Flow bietet dir eine strukturierte Routine, um dauerhaft dranzubleiben.
Häufige Anfängerfehler
Fehler 1: Zu hart pushen
Dehnen sollte sich wie Spannung anfühlen, nicht wie Schmerz. Die „No pain, no gain“-Mentalität gilt hier nicht. Wenn du in den Schmerz hinein dehnst, löst das Schutzreflexe aus, die sich der Dehnung sogar widersetzen.
Besserer Ansatz: Arbeite mit einer Intensität von 5–7 auf einer 10-Punkte-Skala. Du solltest eine deutliche Dehnung spüren, aber noch normal atmen können.
Fehler 2: Die Luft anhalten
Die Luft anzuhalten aktiviert die Stressreaktion des Körpers und erhöht die Muskelspannung. Das wirkt genau der Entspannung entgegen, die du eigentlich erreichen willst.
Besserer Ansatz: Atme langsam und gleichmäßig. Versuche auszuatmen, während du tiefer in eine Dehnung gehst.
Fehler 3: Wippen
Wippen (ballistisches Dehnen) löst den Dehnreflex aus, was dazu führt, dass sich die Muskeln zusammenziehen, anstatt sich zu entspannen. Außerdem erhöht es das Verletzungsrisiko.
Besserer Ansatz: Gehe langsam in die Dehnungen hinein und halte sie ruhig.
Fehler 4: Das Warm-up überspringen
Kalte Muskeln zu dehnen ist weniger effektiv und birgt ein höheres Verletzungsrisiko. Selbst ein kurzes Aufwärmen macht einen großen Unterschied.
Besserer Ansatz: Gehe 3–5 Minuten auf der Stelle oder bewege dich leicht, bevor du dich dehnst. Alternativ kannst du dich nach dem Training oder einer warmen Dusche dehnen.
Fehler 5: Inkonsequent sein
Sporadisches Dehnen bringt nur kurzfristige Effekte. Die Vorteile summieren sich erst durch regelmäßiges Training über Wochen und Monate.
Besserer Ansatz: Plane das Dehnen wie jeden anderen Termin ein. Verknüpfe es mit einer bestehenden Gewohnheit (nach dem Morgenkaffee, vor dem Schlafengehen), um Beständigkeit aufzubauen.
Fehler 6: Sich mit anderen vergleichen
Flexibilität variiert enorm – abhängig von Genetik, Trainingshistorie und Körperbau. Sich mit anderen zu vergleichen, ist weder hilfreich noch motivierend.
Besserer Ansatz: Verfolge deinen eigenen Fortschritt. Feiere Verbesserungen ausgehend von deinem eigenen Startpunkt.
Fehler 7: Nur verspannte Bereiche dehnen
Auch wenn es Sinn macht, sich auf verspannte Bereiche zu konzentrieren, kann es zu Dysbalancen führen, wenn du den Rest vernachlässigst. Ein Ganzkörperansatz ist nachhaltiger.
Besserer Ansatz: Beziehe den ganzen Körper ein und schenke besonders verspannten Bereichen etwas mehr Aufmerksamkeit.
Was du erwarten kannst: Realistischer Fortschritt
Woche 1–2: Eingewöhnung
Du lernst die Positionen kennen und entwickelst ein Körpergefühl. Vielleicht hast du leichten Muskelkater, weil du deine Muskeln auf neue Weise nutzt. Die Zuwächse an Flexibilität sind noch minimal, aber du solltest dich nach jeder Einheit weniger steif fühlen.
Woche 3–4: Erste Anpassungen
Dein Nervensystem beginnt sich anzupassen. Du merkst vielleicht, dass sich die Dehnübungen etwas leichter anfühlen, auch wenn noch keine dramatischen Veränderungen sichtbar sind. Deine Beständigkeit legt jetzt das Fundament für zukünftige Fortschritte.
Woche 5–8: Messbare Veränderungen
Die Forschung zeigt, dass ab diesem Punkt typischerweise messbare Verbesserungen im Bewegungsradius auftreten. Du wirst vielleicht feststellen, dass du weiter greifen, dich tiefer beugen oder dich im Alltag leichter bewegen kannst.
Monat 3+: Festigung
Der Fortschritt geht weiter, fühlt sich aber oft langsamer an. Die frühen Erfolge kamen durch neuronale Anpassungen (dein Gehirn lernt, die Dehnung zu tolerieren). Tiefere Gewebeveränderungen dauern länger. Geduld wird jetzt essenziell.
Langfristig
Mit regelmäßigem Training über Monate und Jahre hinweg sind für die meisten Menschen deutliche Verbesserungen der Flexibilität erreichbar. Allerdings setzt die Genetik Grenzen. Nicht jeder wird trotz gleicher Anstrengung die gleichen Bewegungsradien erreichen.
Wann du dich dehnen solltest
Es gibt nicht die eine „beste“ Zeit zum Dehnen. Die ideale Zeit ist genau dann, wenn du es auch wirklich regelmäßig durchziehst.
Morgens
Vorteile: Hilft, die morgendliche Steifheit abzuschütteln und kann dir Energie für den Tag geben. Nachteile: Du bist vielleicht etwas unbeweglicher und musst dich langsamer herantasten. Am besten für: Dynamisches Dehnen, sanfte statische Dehnübungen.
Nach dem Training
Vorteile: Die Muskeln sind warm und geschmeidig, du bist ohnehin schon im Workout-Modus. Nachteile: Du bist vielleicht erschöpft und in Versuchung, es ausfallen zu lassen. Am besten für: Statisches Dehnen zum Aufbau von Flexibilität.
Abends / Vor dem Schlafengehen
Vorteile: Fördert die Entspannung, kann die Schlafqualität verbessern. Nachteile: Du bist vielleicht müde und weniger motiviert. Am besten für: Sanftes statisches Dehnen, erholsame Positionen.
In den Pausen
Vorteile: Wirkt den Folgen von langem Sitzen entgegen. Nachteile: Kann sich in manchen Umgebungen komisch anfühlen. Am besten für: Kurze Dehnübungen für Problemzonen (Nacken, Hüfte).
Equipment für Anfänger
Du brauchst kein Equipment, um mit dem Dehnen anzufangen, aber ein paar Dinge können dein Training bereichern:
Yogamatte: Bietet Polsterung und definiert deinen Trainingsbereich. Nicht zwingend notwendig, macht aber Dehnübungen auf dem Boden deutlich angenehmer.
Yogagurt oder Handtuch: Hilft dir, Positionen zu erreichen, die sonst unzugänglich wären. Besonders nützlich für Hamstring-Dehnungen.
Yogablöcke: Bieten Unterstützung in Positionen, in denen du den Boden nicht erreichst. Sie reduzieren die Belastung und ermöglichen eine saubere Ausführung.
Kissen oder gefaltete Decke: Polstert die Knie in knienden Positionen und kann bei sitzenden Dehnübungen unter die Hüfte gelegt werden.
Starte ohne Equipment, um es einfach zu halten. Füge Hilfsmittel hinzu, sobald du merkst, dass du sie brauchst.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Sollte ich mich vor oder nach dem Training dehnen?
Davor: Nutze dynamisches Dehnen (bewegungsbasiert), um den Körper vorzubereiten. Vermeide langes statisches Halten vor Kraft- oder Schnellkraft-Aktivitäten.
Danach: Nutze statisches Dehnen, um deine Flexibilität zu verbessern. Nach dem Training sind die Muskeln warm und empfänglich für Dehnungen.
Soll Dehnen wehtun?
Nein. Dehnen sollte ein deutliches Gefühl von Dehnung oder Spannung erzeugen, aber keinen Schmerz. Wenn eine Dehnung wehtut, drückst du entweder zu stark oder die Position ist nicht für dich geeignet.
Kann Dehnen das Training ersetzen?
Dehnen ist ein Bestandteil von Fitness, kein Ersatz für Ausdauer- und Krafttraining. Ein komplettes Fitnessprogramm beinhaltet alle drei Elemente.
Wie schnell werde ich Ergebnisse sehen?
Die meisten Menschen merken innerhalb von 1–2 Wochen regelmäßigen Trainings, dass sie sich weniger steif fühlen. Messbare Verbesserungen der Flexibilität dauern in der Regel 4–8 Wochen.
Ich bin extrem unbeweglich. Kann mir Dehnen trotzdem helfen?
Ja. Jeder kann sich von seinem individuellen Startpunkt aus verbessern. Unbeweglich zu sein bedeutet nur, dass du umso mehr herausholen kannst. Fange sanft an und steigere dich langsam.
Muss ich jeden Muskel jeden Tag dehnen?
Nein. Eine Ganzkörper-Routine 3–4 Mal pro Woche reicht für die allgemeine Flexibilität völlig aus. Du kannst gezielte Übungen für besonders verspannte Bereiche hinzufügen.
Ist es normal, beim Dehnen zu zittern?
Leichtes Zittern kann auftreten, wenn die Muskeln in gedehnten Positionen ermüden. Das lässt mit etwas Übung normalerweise nach. Wenn das Zittern stark ist, gehst du wahrscheinlich zu hart in die Dehnung.
Langfristige Gewohnheiten aufbauen
Die größte Herausforderung beim Dehnen ist nicht das Erlernen der Techniken, sondern dauerhaft dranzubleiben. Wie James Clear in Atomic Habits argumentiert, summieren sich kleine, täglich wiederholte Routinen langfristig zu enormen Ergebnissen. Hier sind Strategien, die dir dabei helfen:
Fange klein an: Eine 5-Minuten-Routine, die du täglich machst, schlägt eine 30-Minuten-Routine, die du nur ab und zu machst.
Verknüpfe es mit bestehenden Gewohnheiten: Dehne dich morgens direkt nach dem Zähneputzen, unmittelbar nach deinem Workout oder abends beim Fernsehen.
Tracke dein Training: Ein einfaches Häkchen im Kalender sorgt für visuelle Motivation und Verbindlichkeit.
Schaffe dir einen festen Platz: Selbst eine kleine Ecke, in der deine Matte immer bereitliegt, senkt die Hemmschwelle.
Schließe dich einem Kurs oder einer Gruppe an: Die Verbindlichkeit gegenüber anderen hilft vielen Menschen, am Ball zu bleiben.
Erinnere dich, warum du angefangen hast: Wenn die Motivation nachlässt, besinne dich auf deine ursprünglichen Gründe zurück.
Die nächsten Schritte
Du hast jetzt alles, was du brauchst, um mit dem Dehnen anzufangen:
- Heute: Probiere die acht wichtigsten Dehnübungen aus und halte jede für 20–30 Sekunden.
- Diese Woche: Trainiere 3–4 Mal und mache dich mit den Positionen vertraut.
- Diesen Monat: Etabliere eine feste Routine und peile 4–5 Einheiten pro Woche an.
- Dauerhaft: Entdecke unsere gezielten Routinen für Bereiche, die besondere Aufmerksamkeit brauchen.
Unsere Routine Hip Flexibility Foundation ist der perfekte nächste Schritt für den am häufigsten verspannten Bereich.
Das Wichtigste in Kürze
- Beständigkeit schlägt Intensität: Regelmäßige, kurze Einheiten bringen bessere Ergebnisse als gelegentliche, lange.
- Fange sanft an: Dehnen sollte sich wie Spannung anfühlen, nicht wie Schmerz.
- Erwarte schrittweise Fortschritte: Messbare Veränderungen dauern in der Regel 4–8 Wochen.
- Atme: Langsames Atmen fördert die Entspannung und macht das Dehnen effektiver.
- Wärme dich vorher auf: Schon ein paar Minuten Bewegung bereiten den Körper aufs Dehnen vor.
- Sei geduldig: Flexibilität entwickelt sich über Monate und Jahre, nicht über Tage.
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Quellen
Afonso J, Ramirez-Campillo R, Moscao J, et al. (2021). Strength Training versus Stretching for Improving Range of Motion: A Systematic Review and Meta-Analysis. Healthcare, 9(4), 427. PubMed ↩︎
Medeiros DM, Cini A, Sbruzzi G, Lima CS. (2016). Influence of static stretching on hamstring flexibility in healthy young adults: Systematic review and meta-analysis. Physiotherapy Theory and Practice, 32(6), 438-445. PubMed ↩︎
Konrad A, Alizadeh S, Daneshjoo A, et al. (2023). Chronic effects of stretching on range of motion with consideration of potential moderating variables: A systematic review with meta-analysis. Journal of Sport and Health Science, 13(2), 186-194. PubMed ↩︎