Die Leiste ist einer dieser Bereiche, die die meisten Menschen ignorieren, bis etwas schiefgeht. Verkürzte Adduktoren schränken dich bei Squats, Lunges und seitlichen Bewegungen ein. Sie ziehen an deinem Becken und tragen zu Beschwerden in der Hüfte und im unteren Rücken bei. Und wenn sie bei einem plötzlichen Richtungswechsel schließlich nachgeben, kann dich die daraus resultierende Zerrung wochenlang außer Gefecht setzen.
Leistenverletzungen machen etwa 10 % aller Verletzungen in Sportarten wie Eishockey und Fußball aus, wobei frühere Verletzungen und eine Schwäche der Adduktoren die größten Risikofaktoren sind.12 Die gute Nachricht ist, dass regelmäßiges Dehnen und Kräftigen der Hüftadduktoren dein Risiko deutlich senkt und gleichzeitig deine allgemeine Hüftmobilität verbessert.
Dieser Guide zeigt dir, warum deine Leiste verspannt, welche Dehnübungen am besten dagegen helfen und welche kompletten Routinen du noch heute ausprobieren kannst.

Warum sich deine Leiste verspannt anfühlt
Sitzen verkürzt deine Adduktoren
Deine Adduktoren verlaufen entlang der Oberschenkelinnenseite vom Becken bis zum Knie. Wenn du stundenlang mit geschlossenen oder überschlagenen Beinen sitzt, bleiben diese Muskeln in einer verkürzten Position. Mit der Zeit betrachtet dein Nervensystem diese verkürzte Länge als normal und wehrt sich gegen jeden Versuch, die Muskeln darüber hinaus zu dehnen.
Sportliche Belastung ohne entsprechende Flexibilität
Sportarten, die Kicken, Sprinten und schnelle, seitliche Richtungswechsel beinhalten, stellen enorme Anforderungen an die Adduktoren. Untersuchungen mit biomechanischen Modellen haben gezeigt, dass der Adductor longus während der Übergangsphase eines Fußballschusses seine maximale Dehnungsrate erreicht, was ihn bei explosiven Bewegungen besonders anfällig macht.3 Wenn deine Grundflexibilität diesen Spitzenbelastungen nicht standhalten kann, steigt das Risiko einer Zerrung.
Einschränkungen im Hüftgelenk
Verkürzte Adduktoren treten selten isoliert auf. Eine eingeschränkte Hüftrotation, steife Hüftbeuger und eine limitierte Außenrotation tragen alle zum Gefühl einer verspannten Leiste bei. Ein multidirektionaler Ansatz für die Hüftmobilität liefert meist bessere Ergebnisse, als sich nur auf die Adduktoren zu konzentrieren.4
Anzeichen dafür, dass deine Leiste Aufmerksamkeit braucht
- Ein Zwicken oder Ziehen bei Squats: Wenn du am tiefsten Punkt der Kniebeuge ein Ziehen an der Oberschenkelinnenseite spürst, deutet das auf verkürzte Adduktoren hin, die die Hüftabduktion einschränken.
- Schwierigkeiten beim Schneidersitz: Wenn deine Knie im Schneidersitz deutlich höher als deine Hüften sind, ist die Flexibilität deiner Adduktoren eingeschränkt.
- Asymmetrie zwischen den Seiten: Dass sich eine Leistenseite spürbar verspannter anfühlt als die andere, kommt häufig vor und sollte behoben werden, bevor sich ein Kompensationsmuster entwickelt.
- Muskelkater an der Oberschenkelinnenseite nach seitlichen Bewegungen: Hartnäckiger Muskelkater nach Side Lunges, Inlineskaten oder Rückschlagsportarten zeigt, dass die Adduktoren über ihren komfortablen Bewegungsradius hinaus arbeiten.
- Verspannungen im unteren Rücken, die nicht auf Rückendehnungen reagieren: Verkürzte Adduktoren verändern die Beckenausrichtung, was zu Verspannungen im unteren Rücken führen kann.
Die besten Dehnübungen für die Leiste
Butterfly
Der Butterfly ist die zugänglichste Dehnübung für die Leiste und ein toller Ausgangspunkt, um deine aktuelle Flexibilität einzuschätzen. Er zielt auf den Adductor longus und brevis ab und öffnet sanft die Hüfte.

So geht’s:
- Setz dich auf den Boden und lege die Fußsohlen aneinander.
- Lass deine Knie locker zu den Seiten fallen.
- Halte deine Füße oder Knöchel fest und richte deine Wirbelsäule auf.
- Drücke deine Knie mit den Ellbogen sanft in Richtung Boden.
- Halte die Position für 30 bis 60 Sekunden.
Tipp: Wenn deine Knie sehr weit oben sind, setz dich auf eine gefaltete Decke oder einen Yogablock. Das kippt dein Becken nach vorne und macht die Dehnung angenehmer.
Frog Pose
Die Frog Pose (Frosch-Pose) dehnt die Adduktoren intensiver als der Butterfly, da die Schwerkraft hilft, dich in die Position zu ziehen. Sie ist besonders effektiv für alle, die sich am tiefsten Punkt eines Squats eingeschränkt fühlen.

So geht’s:
- Starte im Vierfüßlerstand mit den Händen unter den Schultern.
- Bewege deine Knie langsam weit nach außen, halte sie dabei auf einer Linie mit deiner Hüfte.
- Drehe deine Füße nach außen, sodass die Innenkanten auf dem Boden aufliegen.
- Senke deine Unterarme auf den Boden ab.
- Schiebe deine Hüfte sanft nach hinten, bis du eine tiefe Dehnung in beiden Oberschenkelinnenseiten spürst.
- Halte die Position für 30 bis 90 Sekunden.
Anpassungen: Wenn sich das zu intensiv anfühlt, lass deine Hände auf dem Boden, anstatt auf die Unterarme zu gehen, oder lege dir ein Kissen unter die Hüfte.
Side Lunge
Der Side Lunge (seitlicher Ausfallschritt) ist die beste Dehnübung für die Leiste im Stehen und lässt sich leicht in jedes Warm-up einbauen. Er dehnt jeweils einen Adduktor nach dem anderen, was dir hilft, Asymmetrien zwischen den Seiten zu erkennen.

So geht’s:
- Stell dich etwa doppelt so breit wie hüftbreit hin.
- Verlager dein Gewicht auf eine Seite, beuge dieses Knie und halte das andere Bein gestreckt.
- Die Zehen beider Füße zeigen nach vorne.
- Senke deine Hüfte nach unten und hinten ab, bis du eine Dehnung entlang der Oberschenkelinnenseite des gestreckten Beins spürst.
- Halte die Position für 30 Sekunden und wechsle dann die Seite.
Tipp: Halte deine Brust aufrecht und verlagere dein Gewicht auf die Ferse des gebeugten Beins. Wenn sich deine Ferse vom Boden abhebt, wähle einen etwas engeren Stand.
Seated Straddle
Der Seated Straddle (Grätsche im Sitzen) ist eine effektive Dehnübung für die Adduktoren und die hintere Oberschenkelmuskulatur (Hamstrings). Er hilft dir auch dabei, die Hüftabduktion aufzubauen, die du für Aktivitäten wie Kampfsport oder Tanzen brauchst.

So geht’s:
- Setz dich auf den Boden und grätsche deine Beine weit in eine V-Form.
- Lass deine Zehen nach oben zur Decke zeigen.
- Richte dich auf und beuge dich dann langsam aus der Hüfte nach vorne.
- Wandere mit deinen Händen auf dem Boden nach vorne.
- Halte die Position dort, wo du eine angenehme Dehnung spürst, für 30 bis 60 Sekunden.
Anpassungen: Wenn du mit gegrätschten Beinen nicht aufrecht sitzen kannst, setz dich auf ein gefaltetes Handtuch, um deine Hüfte zu erhöhen. Du kannst auch den Winkel deiner Grätsche etwas verkleinern.
Squat Stretch
Der Deep Squat Stretch (tiefe Kniebeuge) öffnet die Leiste und mobilisiert gleichzeitig die Sprunggelenke und die Hüfte. Er ahmt eine Position nach, für die dein Körper eigentlich gemacht ist, um sie regelmäßig einzunehmen.
So geht’s:
- Stell dich etwas weiter als schulterbreit hin, die Zehen sind etwa 30 Grad nach außen gedreht.
- Gehe so tief in die Hocke wie möglich, idealerweise mit der Hüfte unterhalb der Knie.
- Führe deine Handflächen vor der Brust zusammen.
- Drücke deine Ellbogen gegen die Innenseite deiner Knie, um sie nach außen zu schieben.
- Halte die Position für 30 bis 60 Sekunden.
Tipp: Wenn sich deine Fersen vom Boden abheben, lege ein gerolltes Handtuch oder kleine Hantelscheiben zur Unterstützung darunter.
Happy Baby
Happy Baby ist eine entspannte Dehnübung auf dem Boden, die auf die Leiste und die innere Hüfte abzielt. Sie ist eine großartige Option für das Ende einer Stretching-Einheit, wenn deine Muskeln bereits aufgewärmt sind.
So geht’s:
- Leg dich auf den Rücken und zieh deine Knie zur Brust.
- Greife die Außenkanten deiner Füße.
- Zieh deine Knie in Richtung deiner Achselhöhlen, während dein Steißbein auf dem Boden bleibt.
- Wippe sanft von Seite zu Seite, wenn sich das gut anfühlt.
- Halte die Position für 30 bis 60 Sekunden.
Lizard Pose
Die Lizard Pose (Eidechse) bietet eine tiefe Dehnung für die Leiste, die Hüftbeuger und die Adduktoren gleichzeitig. Sie ist eine der effektivsten Positionen für Sportler, die sowohl Hüftstreckung als auch Abduktionsradius benötigen.

So geht’s:
- Starte in einem Ausfallschritt mit dem rechten Fuß vorne.
- Platziere beide Hände an der Innenseite deines rechten Fußes.
- Senke dein linkes Knie auf den Boden ab.
- Wandere mit deinem rechten Fuß leicht nach rechts außen.
- Stütze dich auf deine Unterarme ab, wenn deine Flexibilität es zulässt.
- Halte die Position für 30 bis 60 Sekunden und wechsle dann die Seite.
Anpassungen: Lass deine Hände auf dem Boden oder auf einem Yogablock, wenn du mit den Unterarmen nicht bequem nach unten kommst.
Eine Stretching-Routine für die Leiste aufbauen
Schnelle Entspannung (5 Minuten)
Für eine schnelle, tägliche Routine, die deine Adduktoren mobil hält:
- Side Lunge: 30 Sekunden pro Seite
- Butterfly: 60 Sekunden
- Squat Stretch: 60 Sekunden
- Happy Baby: 60 Sekunden
Umfassende Einheit (15 Minuten)
Für tiefergehende Flexibilitätsarbeit machst du diese Routine 3 bis 4 Mal pro Woche:
- Side Lunge: 30 Sekunden pro Seite
- Squat Stretch: 60 Sekunden
- Butterfly: 60 Sekunden
- Frog Pose: 60 bis 90 Sekunden
- Seated Straddle: 60 Sekunden
- Lizard Pose: 45 Sekunden pro Seite
- Happy Baby: 60 Sekunden
Für eine angeleitete Version probiere die Routinen Hip Immersion Lab oder Deep Hip Release Session aus.
Leisten-Stretching nach dem Workout
Nach jedem Workout, das Squats, Lunges oder seitliche Bewegungen beinhaltet:
- Side Lunge: 30 Sekunden pro Seite
- Butterfly: 45 Sekunden
- Frog Pose: 60 Sekunden
- Happy Baby: 45 Sekunden
Dehnen allein reicht vielleicht nicht aus
Die Forschung zeigt immer wieder, dass die Kraft der Adduktoren genauso wichtig ist wie ihre Flexibilität, um Leistenverletzungen vorzubeugen. Eine wegweisende randomisierte kontrollierte Studie (RCT) mit 652 Fußballspielern ergab, dass die Copenhagen Adduction-Übung Leistenprobleme um 41 % reduzierte.5 Eine weitere Studie bestätigte, dass Programme zur Kräftigung der Hüftadduktoren die Rate von Adduktorenzerrungen bei Profisportlern signifikant senkten.1
Der effektivste Ansatz kombiniert Dehnen, um den Bewegungsradius wiederherzustellen, mit Kräftigungsübungen, um Kontrolle und Widerstandsfähigkeit in diesem Radius aufzubauen. Erwäge, Adductor Squeezes, Copenhagen Side Planks oder Banded Hip Adductions in deine Stretching-Routine aufzunehmen.
Wie lange dauert es, bis du Ergebnisse siehst?
Die meisten Menschen bemerken innerhalb von 2 bis 3 Wochen konsequenten Dehnens einen Unterschied in der Flexibilität ihrer Leiste. Eine Studie zum Bewegungsradius (ROM) der Hüftadduktoren stellte signifikante Verbesserungen bereits nach einer einzigen Stretching-Einheit fest, obwohl dauerhafte Veränderungen regelmäßiges Üben erfordern.4 Eine RCT, die verschiedene Dehnmethoden bei verkürzten Adduktoren verglich, zeigte nach einer gezielten Interventionsphase in allen Gruppen bedeutsame ROM-Zuwächse.6
Für substanzielle Veränderungen der Flexibilität (wie z. B. tiefer in eine Grätsche zu kommen oder bequem im Schneidersitz zu sitzen) solltest du mit 6 bis 12 Wochen engagierter Arbeit rechnen, bei der du mindestens 3 bis 4 Mal pro Woche dehnst. Foam Rolling kann deine Fortschritte beschleunigen. Eine Studie an Rugbyspielern ergab, dass Foam Rolling den Bewegungsradius der unteren Extremitäten über 5 bis 7 Wochen um 8 bis 20 % verbesserte.7
Wann du einen Profi aufsuchen solltest
- Plötzlicher, stechender Schmerz in der Leiste während einer Aktivität: Dies könnte auf eine Adduktorenzerrung hinweisen, die richtig untersucht werden muss.
- Schmerzen, die sich nach 2 Wochen Ruhe und sanftem Dehnen nicht bessern: Anhaltende Leistenschmerzen haben viele mögliche Ursachen, einschließlich Erkrankungen des Hüftgelenks.
- Klicken, Blockieren oder Haken im Hüftgelenk: Diese Symptome deuten auf etwas hin, das über einfache Muskelverspannungen hinausgeht.
- Leistenschmerzen in Kombination mit Schmerzen im Unterbauch: Dieses Muster kann auf einen Sportlerleistenbruch oder eine andere Erkrankung hinweisen, die ärztlich abgeklärt werden muss.
- Taubheitsgefühl oder Kribbeln an der Oberschenkelinnenseite: Eine mögliche Beteiligung der Nerven erfordert eine professionelle Untersuchung.
Die wichtigsten Punkte
- Eine verspannte Leiste ist extrem häufig: Langes Sitzen und Sport ohne ausreichendes Mobilitätstraining sind die größten Verursacher.
- Multidirektionales Dehnen funktioniert am besten: Die Adduktoren aus verschiedenen Winkeln anzusprechen (Butterfly, Frog Pose, Side Lunge, Seated Straddle), liefert bessere Ergebnisse als die ständige Wiederholung einer einzigen Dehnübung.
- Kombiniere Dehnen mit Kräftigung: Die Forschung zeigt, dass die Kraft der Adduktoren der stärkste beeinflussbare Risikofaktor zur Vorbeugung von Leistenverletzungen ist.
- Konsistenz ist wichtiger als Intensität: Regelmäßige Einheiten von 5 bis 15 Minuten sind besser als gelegentliches, aggressives Dehnen.
- Ergebnisse stellen sich schnell ein: Die meisten Menschen spüren bei täglichem Üben innerhalb von 2 bis 3 Wochen einen deutlichen Unterschied.
Verwandte Artikel
- Der komplette Guide für Hüftflexibilität
- Warum deine Hüftbeuger immer verspannt sind
- Die besten Dehnübungen für den Po
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Quellen
Nicholas SJ, Tyler TF. (2002). Adductor muscle strains in sport. Sports Medicine, 32(5), 339-44. PubMed ↩︎ ↩︎
Whittaker JL, et al. (2015). Risk factors for groin injury in sport: an updated systematic review. British Journal of Sports Medicine, 49(12), 803-9. PubMed ↩︎
Charnock BL, et al. (2009). Adductor longus mechanics during the maximal effort soccer kick. Sports Biomechanics, 8(3), 223-34. PubMed ↩︎
Hammer AM, et al. (2017). Acute changes of hip joint range of motion using selected clinical stretching procedures: a randomized crossover study. Musculoskeletal Science & Practice, 32, 70-77. PubMed ↩︎ ↩︎
Haroy J, et al. (2018). The Adductor Strengthening Programme prevents groin problems among male football players: a cluster-randomised controlled trial. British Journal of Sports Medicine, 53(3), 150-157. PubMed ↩︎
Metgud SC, et al. (2022). Immediate effect of MWM adductor stretch, myofascial release, and conventional stretching in asymptomatic individuals with hip adductor tightness: a randomized controlled trial. Journal of Bodywork and Movement Therapies, 32, 213-217. PubMed ↩︎
Guillot A, et al. (2019). Foam Rolling and Joint Distraction with Elastic Band Training Performed for 5-7 Weeks Respectively Improve Lower Limb Flexibility. Journal of Sports Science & Medicine, 18(1), 160-171. PubMed ↩︎