Schmerzen im unteren Rücken sind extrem weit verbreitet. Schätzungen zufolge sind 80 % der Erwachsenen irgendwann im Leben davon betroffen, und sie zählen weltweit zu den häufigsten Ursachen für körperliche Einschränkungen. Für viele ist der erste Instinkt bei Rückenschmerzen, sich zu dehnen.
Aber hilft Dehnen bei Schmerzen im unteren Rücken wirklich? Die Antwort ist differenziert: Dehnen kann bei bestimmten Arten von Rückenschmerzen sehr effektiv sein, bei anderen kaum helfen und in manchen Situationen sogar kontraproduktiv wirken.
Dieser Leitfaden beleuchtet, was die Wissenschaft über das Dehnen bei Schmerzen im unteren Rücken sagt. Er zeigt, welche Ansätze am vielversprechendsten sind, und bietet dir eine Orientierungshilfe, wann Dehnen sinnvoll ist und wann du dir ärztlichen Rat holen solltest.
Was die Wissenschaft über Dehnen und Rückenschmerzen sagt
Der Zusammenhang zwischen Dehnen und der Linderung von Rückenschmerzen wurde umfassend untersucht. Die Studienlage bestätigt, dass Dehnen ein wichtiger Baustein eines effektiven Ansatzes ist, auch wenn es allein selten ausreicht.
Das Gesamtbild
Ein wegweisendes systematisches Review mit Netzwerk-Metaanalyse, das 2020 im British Journal of Sports Medicine veröffentlicht wurde, verglich verschiedene Trainingsmethoden bei Schmerzen im unteren Rücken.1 Die Forscher fanden heraus, dass Dehnübungen zur Schmerzlinderung „signifikant effektiver als gewöhnliches Training“ waren, mit einer standardisierten mittleren Differenz von -0,71.
Um das einzuordnen: Das macht Dehnen zu einer wirksamen Maßnahme, auch wenn Stabilisations- und Kräftigungsübungen bei der reinen Schmerzlinderung noch besser abschnitten.
Die wichtigste Erkenntnis: Dehnen funktioniert, aber die Kombination mit Kräftigung und Bewegung führt in der Regel zu besseren Ergebnissen.
Speziell die Beinbeuger (Hamstrings) dehnen
Eine Metaanalyse aus dem Jahr 2024 im Journal of Orthopaedic Science untersuchte gezielt das Dehnen der Beinbeuger (Hamstrings) bei Schmerzen im unteren Rücken.2 Die Ergebnisse zeigten, dass „das Dehnen der Hamstrings zu niedrigeren Schmerzwerten führte“, und zwar über verschiedene Kategorien von Rückenschmerzen hinweg. Zudem verbesserte sich die körperliche Funktion, gemessen am Oswestry Disability Index.
Dieses Ergebnis ist anatomisch absolut logisch. Verkürzte oder verspannte Beinbeuger schränken die Beweglichkeit des Beckens ein und zwingen die Lendenwirbelsäule dazu, beim Vorbeugen zu kompensieren. Wenn du die Flexibilität deiner Hamstrings verbesserst, verringerst du die Belastung für deinen unteren Rücken.
Neurale Dehnung
Ein systematisches Review von 2019 untersuchte das sogenannte „Slump Stretching“, eine Technik, die das Nervensystem durch bestimmte Positionen auf Spannung bringt.3 Die Forscher fanden „Evidenz von sehr niedriger bis moderater Qualität, dass Slump Stretching positive Effekte auf die Schmerzen bei Personen mit Schmerzen im unteren Rücken haben kann.“
Interessanterweise hielt das Review fest, dass „Patienten mit nicht-radikulären Schmerzen im unteren Rücken im Vergleich zu anderen Arten von Rückenschmerzen am meisten vom Slump Stretching profitieren könnten.“ Das deutet darauf hin, dass unterschiedliche Arten von Rückenschmerzen auf verschiedene Dehnansätze ansprechen.
Prävention
Eine Metaanalyse aus dem Jahr 2017 im American Journal of Epidemiology ergab, dass „Training das Risiko für Schmerzen im unteren Rücken und die damit verbundenen Einschränkungen senkt.“4 Die Forscher schlussfolgerten, dass „eine Kombination aus Kräftigung und entweder Dehn- oder Ausdauerübungen, die 2–3 Mal pro Woche durchgeführt wird, der Allgemeinbevölkerung zur Prävention von Schmerzen im unteren Rücken guten Gewissens empfohlen werden kann.“
Die praktische Konsequenz für dich: Selbst wenn du aktuell keine Rückenschmerzen hast, kann regelmäßiges Dehnen (in Kombination mit Kräftigung) helfen, diesen vorzubeugen.
Die verschiedenen Arten von Schmerzen im unteren Rücken verstehen
Rückenschmerz ist nicht gleich Rückenschmerz. Wenn du verstehst, welche Art von Schmerz du hast, kannst du besser einschätzen, ob Dehnen dir wahrscheinlich hilft.
Mechanische Schmerzen im unteren Rücken
Dies ist die häufigste Art und macht die überwiegende Mehrheit der Rückenschmerzfälle aus. Sie entsteht durch Überlastung, Zerrungen oder Dysfunktionen in den Strukturen der Wirbelsäule (Muskeln, Bänder, Bandscheiben, Facettengelenke) ohne Beteiligung der Nerven.
Merkmale:
- Der Schmerz ist auf den unteren Rücken beschränkt (strahlt nicht ins Bein aus)
- Der Schmerz verschlimmert sich oft bei bestimmten Bewegungen oder Positionen
- Der Schmerz kann sich durch Ruhe oder einen Positionswechsel bessern
- Kein Taubheitsgefühl, Kribbeln oder Schwäche in den Beinen
Potenzial durch Dehnen: Hoch. Mechanische Schmerzen im unteren Rücken sprechen oft gut auf Dehnen an, besonders wenn Muskelverspannungen oder Bewegungseinschränkungen zum Problem beitragen.
Radikuläre Schmerzen (Ischias)
Hierbei kommt es zu einer Reizung oder Kompression von Nervenwurzeln, was Schmerzen verursacht, die entlang der Nervenbahn ins Bein ausstrahlen.
Merkmale:
- Der Schmerz zieht über das Gesäß ins Bein (oft bis über das Knie hinaus)
- Kann mit Taubheitsgefühl, Kribbeln oder einem Gefühl von „Ameisenlaufen“ einhergehen
- Kann Schwäche in bestimmten Muskeln umfassen
- Verschlimmert sich oft beim Sitzen oder Vorbeugen
Potenzial durch Dehnen: Moderat, erfordert aber Vorsicht. Einige Dehnübungen (wie Neural Flossing) können helfen, während aggressives Dehnen der Hamstrings oder tiefe Vorbeugen die Nervenreizung verschlimmern können.
Entzündliche Erkrankungen
Erkrankungen wie Morbus Bechterew (Spondylitis ankylosans) gehen mit einer Entzündung der Wirbelsäulenstrukturen einher.
Merkmale:
- Morgensteifigkeit, die länger als 30 Minuten anhält
- Schmerzen, die sich durch Bewegung bessern
- Symptome entwickeln sich schleichend, oft vor dem 40. Lebensjahr
- Entzündliche Erkrankungen in der Familie
Potenzial durch Dehnen: Moderat. Sanftes Mobility-Training hilft oft, aber aggressives Dehnen kann entzündetes Gewebe reizen.
Wann Dehnen nicht angebracht ist
Bestimmte „Red Flag“-Symptome (Warnsignale) deuten auf Erkrankungen hin, bei denen du auf Dehnen verzichten solltest, bis du ärztlich untersucht wurdest:
- Schwere oder fortschreitende neurologische Ausfälle (Schwäche, Inkontinenz)
- Krebserkrankung in der Vorgeschichte in Kombination mit neuen Rückenschmerzen
- Fieber in Verbindung mit Rückenschmerzen
- Schmerzen, die dich nachts aus dem Schlaf reißen
- Unerklärlicher Gewichtsverlust
- Kürzlich erlittenes, schweres Trauma (z. B. ein Sturz oder Unfall)
- Schmerzen, die sich in keiner Position bessern
Wenn du diese Symptome bei dir feststellst, lass dich ärztlich untersuchen, bevor du mit einem Dehnprogramm beginnst.
Die effektivsten Dehnübungen bei Schmerzen im unteren Rücken
Basierend auf wissenschaftlichen Erkenntnissen und klinischer Erfahrung setzen diese Dehnübungen an den häufigsten Ursachen für mechanische Schmerzen im unteren Rücken an. Für eine größere Auswahl an Übungen, die den gesamten Rücken (oberer, mittlerer und unterer Bereich) abdecken, schau dir unseren kompletten Guide für Rückendehnübungen an.
1. Knie-zur-Brust-Dehnung (Knee-to-Chest)
Zielmuskulatur: Untere Rückenmuskulatur, Gesäßmuskeln, leichte Beugung der Lendenwirbelsäule
Warum es funktioniert: Diese sanfte Dehnung reduziert Spannungen im unteren Rücken und schafft Platz in der Lendenwirbelsäule. Sie wird meist auch bei akuten Schmerzschüben sehr gut vertragen.
So geht’s:
- Lege dich auf den Rücken, winkle die Knie an und stelle die Füße flach auf den Boden.
- Ziehe ein Knie zur Brust und halte es entweder an der Oberschenkelrückseite oder am Schienbein fest.
- Lass den anderen Fuß auf dem Boden stehen oder strecke das Bein gerade aus.
- Halte die Position für 20–30 Sekunden und wechsle dann die Seite.
- Du kannst auch beide Knie gleichzeitig zur Brust ziehen.
Hier findest du die Übung: Unser Lower Back Relief Flow beginnt mit dieser zugänglichen Dehnung.

2. Haltung des Kindes (Child’s Pose)
Zielmuskulatur: Unterer Rücken, Latissimus, Hüfte
Warum es funktioniert: Diese erholsame Position dehnt den Rücken sanft und bietet gleichzeitig bequemen Halt. Die gebeugte Haltung öffnet die Räume zwischen den Wirbeln.
So geht’s:
- Knie dich auf den Boden und setze dich nach hinten auf deine Fersen.
- Beuge dich nach vorn und strecke deine Arme vor dir auf dem Boden aus.
- Lege deine Stirn auf dem Boden ab (oder bei Bedarf auf einem Kissen).
- Lass deinen Bauch entspannt auf deinen Oberschenkeln ruhen.
- Halte die Position für 30–60 Sekunden oder länger.
Variation: Für eine seitliche Dehnung wandere mit beiden Händen zu einer Seite, während dein Becken mittig bleibt.

3. Katze-Kuh (Cat-Cow)
Zielmuskulatur: Beweglichkeit der Wirbelsäule, Rückenmuskulatur
Warum es funktioniert: Diese dynamische Dehnung bewegt die Wirbelsäule durch Beugung und Streckung, fördert die Beweglichkeit und lindert Steifheit. Die Bewegung hilft dabei, die Flüssigkeit in den Bandscheiben zu verteilen.
So geht’s:
- Starte im Vierfüßlerstand.
- Kuh: Atme ein, lass deinen Bauch Richtung Boden sinken, hebe den Kopf und das Steißbein.
- Katze: Atme aus, mache einen runden Rücken (Katzenbuckel) Richtung Decke, ziehe das Kinn zur Brust und kippe das Becken nach hinten.
- Bewege dich langsam zwischen den Positionen und stimme die Bewegung auf deine Atmung ab.
- Wiederhole das Ganze 10–15 Mal.
Hier findest du die Übung: Der Lower Back Builder Flow integriert Katze-Kuh als Warm-up.

4. Hüftbeuger-Dehnung
Zielmuskulatur: Iliopsoas (Hüftbeuger), Rectus femoris (gerader Oberschenkelmuskel)
Warum es funktioniert: Verkürzte Hüftbeuger ziehen das Becken in ein Hohlkreuz (vordere Beckenkippung), was die Krümmung der Lendenwirbelsäule verstärkt und den unteren Rücken staucht. Wenn du die Spannung im Hüftbeuger löst, kann sich das Becken wieder in einer neutralen Position ausrichten.
So geht’s:
- Knie dich auf ein Bein, während du den anderen Fuß vorne aufstellst (Halbkniestand).
- Kippe dein Becken nach hinten (Steißbein einrollen), um den unteren Rücken flach zu machen.
- Lehne dich sanft nach vorn, während du die Beckenkippung beibehältst.
- Du solltest die Dehnung an der Vorderseite der Hüfte des knienden Beins spüren.
- Halte die Position für 30–45 Sekunden pro Seite.
Wichtig: Das Einrollen des Beckens ist entscheidend. Ohne diese Bewegung kann die Dehnung die Stauchung im unteren Rücken sogar noch verstärken.

5. Piriformis-Dehnung
Zielmuskulatur: Piriformis, tiefe Hüftrotatoren
Warum es funktioniert: Der Piriformis-Muskel verläuft nah am (oder um den) Ischiasnerv. Wenn er verspannt ist, kann er zu Rücken- und Gesäßschmerzen beitragen und den Nerv reizen.
So geht’s:
- Lege dich auf den Rücken und winkle die Knie an.
- Lege einen Knöchel über das gegenüberliegende Knie.
- Ziehe das nicht übergeschlagene Bein in Richtung deiner Brust.
- Du solltest die Dehnung an der äußeren Hüfte bzw. im Gesäß des übergeschlagenen Beins spüren.
- Halte die Position für 30–45 Sekunden pro Seite.
6. Liegender Twist (Supine Twist)
Zielmuskulatur: Wirbelsäulenrotation, schräge Bauchmuskeln, unterer Rücken
Warum es funktioniert: Diese sanfte Rotationsdehnung spricht Muskeln an, die bei Rückenschmerzen oft verspannen. Die Rückenlage bietet Halt und ermöglicht es dir, dich entspannt in die Dehnung sinken zu lassen.
So geht’s:
- Lege dich auf den Rücken und strecke die Arme zu den Seiten aus.
- Winkle beide Knie an und stelle die Füße flach auf den Boden.
- Lass beide Knie zu einer Seite fallen, während deine Schultern auf dem Boden bleiben.
- Drehe deinen Kopf in die entgegengesetzte Richtung, wenn es sich angenehm anfühlt.
- Halte die Position für 30–60 Sekunden und wechsle dann die Seite.
Vorsicht: Wenn diese Position einschießende Schmerzen im Bein verursacht, lass sie aus.
7. Dehnung der Beinbeuger (Hamstrings)
Zielmuskulatur: Beinbeuger (Hamstrings)
Warum es funktioniert: Wie in den oben genannten Studien erwähnt, hat sich speziell das Dehnen der Hamstrings als schmerzlindernd bei Patienten mit Schmerzen im unteren Rücken erwiesen. Eine verbesserte Flexibilität der Beinbeuger reduziert die Ausgleichsbewegungen, die sonst die Lendenwirbelsäule belasten.
So geht’s:
- Lege dich auf den Rücken und strecke ein Bein aus.
- Hebe das andere Bein an und halte das Knie dabei gestreckt (oder leicht gebeugt).
- Lege einen Gurt oder ein Handtuch um den Fuß, um die Position zu halten.
- Halte die Hüfte des gedehnten Beins am Boden (lass sie nicht nach oben wandern).
- Halte die Position für 30–45 Sekunden pro Seite.
Hier findest du die Übung: Unser Lower Back Support Circuit beinhaltet gezieltes Hamstring-Training zur Linderung von Rückenschmerzen.
8. Beckenkippen (Pelvic Tilts)
Zielmuskulatur: Core-Aktivierung, Beweglichkeit der Lendenwirbelsäule
Warum es funktioniert: Diese subtile Bewegung stellt das Körpergefühl und die Kontrolle über die Beckenposition wieder her, was bei Rückenschmerzen oft gestört ist. Außerdem sorgt sie für eine sanfte Mobilisation der Lendenwirbelsäule.
So geht’s:
- Lege dich auf den Rücken, winkle die Knie an und stelle die Füße flach auf den Boden.
- Drücke deinen unteren Rücken flach auf den Boden, indem du dein Becken nach hinten kippst.
- Löse dann den unteren Rücken wieder vom Boden (leichtes Hohlkreuz), indem du dein Becken nach vorn kippst.
- Bewege dich langsam zwischen diesen beiden Positionen.
- Wiederhole das Ganze 10–15 Mal.
Eine Dehnroutine für den unteren Rücken aufbauen
Akute Phase (Die ersten 1–2 Wochen mit Schmerzen)
Wenn der Schmerz frisch und intensiv ist, gilt: Weniger ist mehr. Aggressives Dehnen kann entzündetes Gewebe reizen.
Empfohlener Ansatz:
- Konzentriere dich auf sanfte, gestützte Positionen: Knie-zur-Brust, Haltung des Kindes, Katze-Kuh.
- Halte die Positionen nur so lange, wie es sich angenehm anfühlt.
- Vermeide jede Dehnung, die den Schmerz verstärkt.
- Mache lieber mehrere kurze Einheiten (5 Minuten, 3–4 Mal täglich) anstatt einer langen.
- Kombiniere das Ganze mit Spazierengehen, was laut Studien bei akuten Rückenschmerzen hilft.
Subakute Phase (Woche 2–6)
Wenn der Schmerz nachlässt, kannst du nach und nach mehr Dehnübungen einbauen und die Positionen länger halten.
Empfohlener Ansatz:
- Nimm die Hüftbeuger-Dehnung, Piriformis-Dehnung und den liegenden Twist dazu.
- Verlängere die Haltedauer auf 30–45 Sekunden.
- Trainiere 10–15 Minuten, 1–2 Mal täglich.
- Beginne damit, sanfte Kräftigungsübungen einzubauen.
Chronische Phase (Langfristiges Management)
Bei anhaltenden oder wiederkehrenden Rückenschmerzen ist ein ganzheitlicher Ansatz unerlässlich.
Empfohlener Ansatz:
- Komplette Dehnroutine inklusive aller oben genannten Positionen.
- Kombiniere das Dehnen mit Core-Training und allgemeiner Fitness.
- Trainiere 15–20 Minuten, 4–6 Mal pro Woche.
- Schau dir unsere Lower Back Immersion an, wenn du ein umfassendes Programm suchst.
Häufige Fehler und wie du sie vermeidest
Fehler 1: In den stechenden Schmerz hinein dehnen
Dehnen sollte ein Ziehen oder Spannungsgefühl erzeugen, keinen stechenden oder einschießenden Schmerz. Wenn eine Dehnung wehtut, führst du sie entweder falsch aus oder sie ist für deine aktuelle Situation nicht geeignet.
Lösung: Nimm sofort Spannung raus, wenn du einen stechenden Schmerz spürst. Passe die Position an oder lass diese Dehnung komplett weg.
Fehler 2: Nur auf den Rücken konzentrieren
Schmerzen im unteren Rücken haben ihren Ursprung oft in Bewegungseinschränkungen an anderen Stellen – besonders in der Hüfte und den Hamstrings – oder werden dadurch aufrechterhalten. Wenn du nur die Rückenmuskulatur dehnst, ignorierst du diese Auslöser.
Lösung: Baue Dehnübungen für Hüftbeuger, Hamstrings und Piriformis in deine Routine ein.
Fehler 3: Kräftigung vernachlässigen
Dehnen allein reicht selten aus, um Rückenschmerzen langfristig in den Griff zu bekommen. Studien zeigen immer wieder, dass die Kombination aus Dehnen und Kräftigung die besten Ergebnisse liefert.
Lösung: Ergänze deine Dehnroutine um Core-Übungen wie Planks, Bird-Dog und Beckenheben (Bridges).
Fehler 4: Zu viele Vorbeugen
Bei manchen Arten von Rückenschmerzen (besonders bei Bandscheibenproblemen) kann wiederholtes Vorbeugen die Symptome verschlimmern. Wenn Vorbeugen deine Schmerzen verstärken, sind sie für dich aktuell nicht geeignet.
Lösung: Wenn das Vorbeugen schmerzt, konzentriere dich auf Hüftdehnungen und Positionen, bei denen die Wirbelsäule neutral bleibt.
Fehler 5: Sofortige Ergebnisse erwarten
Chronische Rückenschmerzen entwickeln sich über Monate oder Jahre. Sie verschwinden nicht nach einer einzigen Dehneinheit.
Lösung: Bleibe über Wochen und Monate konsequent am Ball. Miss deinen Fortschritt anhand deiner Funktion im Alltag und deines Schmerzempfindens, nicht nur an deiner Beweglichkeit.
Fehler 6: Haltung und Bewegungsgewohnheiten ignorieren
Wenn du dich 15 Minuten lang dehnst und danach 8 Stunden lang mit schlechter Haltung am Schreibtisch sitzt, kann das Dehnen diese einseitige Belastung nicht ausgleichen.
Lösung: Gehe die Ursachen an: Ergonomie am Arbeitsplatz, Bewegungspausen, Schlafposition.
Wann du dir professionelle Hilfe holen solltest
Dehnen ist bei vielen Arten von Rückenschmerzen eine sinnvolle Maßnahme zur Selbsthilfe, aber in manchen Situationen ist eine professionelle Einschätzung wichtig:
- Die Schmerzen halten trotz regelmäßigem Dehnen länger als 4–6 Wochen an.
- Die Schmerzen sind stark und schränken dich im Alltag deutlich ein.
- Es treten Taubheitsgefühle, Kribbeln oder Schwäche in den Beinen auf.
- Es kommt zu Veränderungen bei der Darm- oder Blasenfunktion.
- Die Schmerzen wecken dich nachts auf.
- Du hattest bereits mehrere wiederkehrende Schmerzschübe.
- Die Schmerzen treten nach einer schweren Verletzung auf.
Ein Physiotherapeut kann deine individuelle Situation beurteilen, die Ursachen finden und dir gezielte Übungen verschreiben. Bei hartnäckigen Rückenschmerzen liefert dieser maßgeschneiderte Ansatz oft bessere Ergebnisse als allgemeine Dehnprogramme.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Wie oft sollte ich bei Rückenschmerzen dehnen?
Bei akuten Schmerzen sind mehrere kurze Einheiten (5 Minuten, 3–4 Mal täglich) oft besser als eine lange. Bei chronischen Beschwerden oder zur Prävention sind 15–20 Minuten an 4–6 Tagen pro Woche ein guter Richtwert.
Gibt es Dehnübungen, die ich vermeiden sollte?
Das hängt von deinen individuellen Beschwerden ab. Generell gilt: Vermeide jede Dehnung, die deine Schmerzen verstärkt. Bei Bandscheibenproblemen kann aggressives Vorbeugen kontraproduktiv sein. Bei Problemen mit den Facettengelenken können Streckübungen (Extension) die Symptome verschlimmern.
Kann Dehnen Rückenschmerzen verschlimmern?
Ja, wenn es falsch gemacht wird. In den Schmerz hinein zu dehnen, es mit der Intensität zu übertreiben oder die falschen Übungen für deine Beschwerden auszuwählen, kann die Probleme verschärfen.
Wie lange dauert es, bis ich eine Besserung spüre?
Akute Schmerzen bessern sich bei richtiger Behandlung (inklusive Dehnen) oft innerhalb von 2–4 Wochen. Bei chronischen Schmerzen kann es länger dauern – oft erfordert es Monate konsequenten Trainings.
Sollte ich dehnen, wenn der Rücken wehtut, oder warten, bis es besser wird?
Sanftes Dehnen (wie Knie-zur-Brust oder die Haltung des Kindes) ist oft auch während akuter Schmerzschübe sinnvoll. Vermeide aggressives oder intensives Dehnen, wenn der Schmerz stark ist. Bewegung hilft generell, aber sie sollte sanft sein.
Ist Yoga gut bei Rückenschmerzen?
Studien belegen die positive Wirkung von Yoga bei chronischen Schmerzen im unteren Rücken. Die Lancet-Metaanalyse von 2018 stufte Yoga als eine der effektiven Trainingsmethoden ein. Allerdings sind nicht alle Yoga-Posen für jedes Rückenproblem geeignet. Passe Posen an oder lass sie weg, wenn sie Schmerzen verursachen.
Die Rolle der Core-Stabilität (Rumpfkraft)
Auch wenn dieser Leitfaden den Fokus auf das Dehnen legt, muss die Kräftigung des Rumpfes (Core) erwähnt werden. Studien zeigen immer wieder, dass Stabilisations- und Core-Übungen zu den effektivsten Maßnahmen bei Rückenschmerzen gehören.
Ein starker Core stützt die Wirbelsäule, verringert die Belastung der passiven Strukturen und sorgt für Stabilität in der Bewegung. Der effektivste Ansatz bei Rückenschmerzen kombiniert Beweglichkeitstraining mit Core-Kräftigung.
Wichtige Übungen, die du einbauen solltest:
- Planks (Unterarmstütz, frontal und seitlich)
- Bird-Dog (Vierfüßlerstand mit diagonalem Arm- und Beinheben)
- Dead Bug (Käfer-Übung)
- Bridges (Beckenheben)
- Pallof Press
Unser Lower Back Support Circuit kombiniert Dehn- und Stabilisationsübungen.
Die wichtigsten Erkenntnisse
- Dehnen hilft, reicht aber meist nicht allein aus: Die Wissenschaft empfiehlt die Kombination aus Dehnen und Kräftigung für die besten Ergebnisse.
- Speziell das Dehnen der Hamstrings lindert Rückenschmerzen: Mehrere Studien bestätigen den Zusammenhang zwischen der Flexibilität der Beinbeuger und der Linderung von Rückenschmerzen.
- Nicht jeder Rückenschmerz spricht auf dieselben Dehnübungen an: Passe deinen Ansatz an deine Beschwerden an; vermeide Dehnungen, die den Schmerz verstärken.
- Kontinuität ist wichtiger als Intensität: Regelmäßiges, sanftes Training bringt mehr als gelegentliches, aggressives Dehnen.
- Hol dir bei Bedarf professionelle Hilfe: Anhaltende oder schwere Symptome sollten ärztlich abgeklärt werden.
Ähnliche Artikel
- Rückendehnübungen: Übungen für den oberen, mittleren und unteren Rücken
- Warum deine Hüftbeuger immer verspannt sind
- Dehnen für Büroangestellte: Der komplette Guide
- Der komplette Guide für mehr Hüftbeweglichkeit
Quellen
Owen PJ, Miller CT, Mundell NL, et al. (2020). Which specific modes of exercise training are most effective for treating low back pain? Network meta-analysis. British Journal of Sports Medicine, 54(21), 1279-1287. PubMed ↩︎
Almeida GP, Carvalho AP, Melo BP, et al. (2024). The effects of hamstring stretching exercises on pain intensity and function in low back pain patients: A systematic review with meta-analysis of randomized controlled trials. Journal of Orthopaedic Science. PubMed ↩︎
Anwar S, Ahmed A, Iftikhar A, et al. (2019). Effectiveness of Slump Stretching on Low Back Pain: A Systematic Review and Meta-analysis. Journal of Manipulative and Physiological Therapeutics, 42(4), 278-285. PubMed ↩︎
Shiri R, Coggon D, Falah-Hassani K. (2017). Exercise for the Prevention of Low Back Pain: Systematic Review and Meta-Analysis of Controlled Trials. American Journal of Epidemiology, 187(5), 1093-1101. PubMed ↩︎