Die Taube (Eka Pada Rajakapotasana auf Sanskrit) ist eine der effektivsten und am häufigsten ausgeführten Dehnübungen für die Hüfte. Sie zielt auf die Außenrotatoren, die Gesäßmuskulatur (Glutes) und die Hüftkapsel auf eine Art und Weise ab, die kaum ein anderer Stretch erreicht.
Leider wird sie auch oft falsch ausgeführt, was eher zu Fehlbelastungen als zu einer produktiven Dehnung führt. Und für manche Körpertypen ist sie vielleicht gar nicht die beste Wahl.
Dieser Leitfaden behandelt die richtige Technik, wichtige Modifikationen, wer am meisten von der Taube profitiert und wann du besser Alternativen wählen solltest.

Welche Bereiche die Taube dehnt
Das vordere Bein befindet sich in der Taube in einer Hüftbeugung mit Außenrotation.1 Diese Kombination dehnt:
Primäre Zielmuskulatur:
- Piriformis
- Weitere tiefe Außenrotatoren (Musculus obturatorius internus und externus, Musculus gemellus superior und inferior, Musculus quadratus femoris)
- Gluteus medius und minimus (hintere Fasern)
- Hüftgelenkkapsel
Sekundäre Zielmuskulatur:
- Das hintere Bein erfährt eine Dehnung der Hüftbeuger (bei richtiger Positionierung)
- Die Wirbelsäule erfährt eine sanfte Längsdehnung, wenn du dich nach vorne beugst
Insbesondere der Piriformis reagiert sehr gut auf die Taube.2 Dieser tiefe Muskel verläuft nah am (und manchmal um den) Ischiasnerv, und Verspannungen in diesem Bereich können zu Ischias-ähnlichen Beschwerden beitragen.
Die richtige Technik
So kommst du in die Position
- Beginne im Vierfüßlerstand (auf Händen und Knien)
- Bringe dein rechtes Knie nach vorne in Richtung deines rechten Handgelenks
- Senke dein rechtes Schienbein in Richtung Boden ab (der Winkel variiert je nach deiner Beweglichkeit)
- Schiebe dein linkes Bein gerade nach hinten und lege den Fußrücken auf dem Boden ab
- Senke dein Becken in Richtung Boden ab
Wichtige Punkte zur Ausrichtung
Vorderes Bein:
- Das Knie zeigt in Richtung der Mattenecke (nicht direkt nach vorne)
- Der Schienbeinwinkel variiert: Bei Anfängern ist die Ferse oft nah an der Hüfte; Fortgeschrittene können das Schienbein parallel zum vorderen Mattenrand ablegen
- Das Sprunggelenk ist geflext (Zehen angezogen), um das Knie zu schützen
Hinteres Bein:
- Wird gerade nach hinten ausgestreckt, nicht zur Seite abgewinkelt
- Der Fußrücken liegt auf dem Boden
- Die Hüfte zeigt zum Boden (nicht aufgedreht)
Becken:
- Beide Hüftknochen zeigen so weit wie möglich nach vorne
- Die Hüfte ist gerade und kippt nicht zu einer Seite ab
- Kann bei Bedarf mit einem Block oder einer Decke unterlagert werden
Oberkörper:
- Kann aufrecht bleiben oder sich über das vordere Bein nach vorne beugen
- Die Wirbelsäule bleibt lang (vermeide einen starken Rundrücken)
Häufige Fehler
Fehler 1: Die Hüfte dreht auf
Wenn sich die Hüfte auf der Seite des vorderen Beins anhebt und nach hinten wegdreht, geht die Dehnung an der Zielmuskulatur vorbei. Das Becken sollte so gerade wie möglich ausgerichtet bleiben.
Korrektur: Lege einen Block oder eine gefaltete Decke unter die vordere Hüfte, um das Becken auszugleichen.
Fehler 2: Belastung im Knie
Wenn das Knie des vorderen Beins schmerzt, nimmt das Gelenk eine Belastung auf, die es nicht tragen sollte.
Korrektur: Halte das Sprunggelenk geflext und verringere den Winkel des Schienbeins. Ziehe stattdessen die liegende Taube (Figure Four) in Betracht.
Fehler 3: Das hintere Bein ignorieren
Das hintere Bein sollte gerade nach hinten ausgestreckt sein, wobei sich die Hüfte in Richtung Streckung bewegt. Viele lassen es zur Seite abdriften und verpassen so die Dehnung der Hüftbeuger.
Korrektur: Überprüfe, ob das hintere Bein direkt hinter dir ausgestreckt ist und nicht zur Seite abwinkelt.
Fehler 4: Tiefe erzwingen
Ein aggressives Hineindrücken in die Position erzeugt eine Schutzspannung und erhöht das Verletzungsrisiko.
Korrektur: Gehe schrittweise in die Dehnung und nur so tief, wie du entspannt weiteratmen kannst.
Modifikationen für verschiedene Level
Anfänger: Unterstützte Taube
- Lege einen Block oder eine gefaltete Decke unter die vordere Hüfte
- Halte die vordere Ferse näher an der Hüfte (kleinerer Schienbeinwinkel)
- Bleibe aufrecht, anstatt dich nach vorne zu beugen
- Halte die Position für 30–45 Sekunden pro Seite
Fortgeschrittene: Standard-Taube
- Die vordere Hüfte kann den Boden berühren oder leicht angehoben sein
- Der Schienbeinwinkel vergrößert sich, soweit es deine Beweglichkeit zulässt
- Beuge dich über das vordere Bein nach vorne, stütze dich auf den Unterarmen ab oder strecke die Arme aus
- Halte die Position für 45–60 Sekunden pro Seite
Profis: Tiefe Taube
- Das Schienbein nähert sich der Parallelen zum vorderen Mattenrand an
- Beuge dich komplett nach vorne, die Brust in Richtung Boden
- Längeres Halten von 60–90+ Sekunden
- Optional kannst du eine Rückbeuge einbauen (greife nach hinten zum hinteren Fuß)
Alternativen zur Taube
Für manche Menschen ist die Taube nicht ideal. Hier sind Alternativen, die ähnliche Strukturen ansprechen:
Liegende Taube (Figure Four)
Lege dich auf den Rücken, kreuze einen Knöchel über das gegenüberliegende Knie und ziehe das nicht gekreuzte Bein zur Brust. Das sorgt für eine ähnliche Dehnung mit weniger Belastung für das Knie und mehr Kontrolle.
Am besten für: Anfänger, Personen mit empfindlichen Knien und alle, die eine sanftere Variante suchen
90/90-Stretch
Setze dich so hin, dass beide Beine im 90-Grad-Winkel angewinkelt sind (eines vorne, eines zur Seite). Dies trainiert Außen- und Innenrotation gleichzeitig.
Am besten für: Alle, die umfassend an ihrer Hüftrotation arbeiten möchten

Nadelöhr (in Seitenlage)
Lege dich auf die Seite, beuge das untere Knie und ziehe das obere Bein über deinen Körper, sodass das Knie absinkt. Drehe deinen Oberkörper in die entgegengesetzte Richtung.
Am besten für: Alle, die die Taube in jeglicher Variante als unangenehm empfinden
Wer bei der Taube vorsichtig sein sollte
Knieprobleme
Das vordere Knie ist in der Taube einer Rotationsbelastung ausgesetzt. Personen mit Knieverletzungen, Meniskusproblemen oder chronischen Knieschmerzen sollten oft besser Alternativen wie die liegende Taube (Figure Four) wählen.
Hüft-Impingement
Ein femoroacetabuläres Impingement (FAI) kann bei tiefer Hüftbeugung mit Rotation ein einklemmendes Gefühl verursachen. Wenn die Taube ein stechendes oder klemmendes Gefühl an der Vorderseite der Hüfte (und kein Dehngefühl auf der Rückseite) auslöst, solltest du die Übung anpassen oder vermeiden.
ISG-Dysfunktion (Iliosakralgelenk)
Die asymmetrische Position der Taube kann das Iliosakralgelenk (ISG) belasten. Personen mit ISG-Problemen sollten die Zeit in dieser Position eventuell begrenzen oder auf Alternativen ausweichen.
Schwangerschaft
Mit fortschreitender Schwangerschaft kann die asymmetrische Natur der Taube unangenehm werden. Die liegende Taube oder andere Modifikationen funktionieren dann oft besser.
Die Taube ins Training integrieren
In einer Mobility-Routine
Die Taube eignet sich hervorragend nach allgemeinen Aufwärmübungen für die Hüfte. Kombiniere sie mit anderen Hüft-Stretches, um den Bereich umfassend abzudecken.
Beispiel für einen Ablauf:
- Katze-Kuh (Aufwärmen der Wirbelsäule)
- Hüftkreisen (Mobilisation)
- Tiefer Ausfallschritt (Hüftbeuger)
- Taube (Außenrotatoren)
- Liegender Twist (Rotation)
Häufigkeit
3–5 Mal pro Woche ist für die meisten Menschen angemessen. Tägliches Üben ist völlig in Ordnung, solange keine Beschwerden auftreten.
Dauer
- 30–45 Sekunden pro Seite zur Erhaltung
- 60–90 Sekunden pro Seite zur Verbesserung der Beweglichkeit
- Bis zu 2–3 Minuten pro Seite für tiefe Entspannung (Fortgeschrittene)
Unsere Routinen Hip Flexibility Expansion und Hip Immersion Lab integrieren die Taube mit den passenden Progressionen.
Das Wichtigste in Kürze
- Die Taube zielt auf die tiefen Hüftrotatoren und die Gesäßmuskulatur ab: Nur wenige Dehnübungen erreichen diese Strukturen so effektiv.
- Die Technik ist entscheidend: Halte die Hüfte gerade, schütze das Knie und strecke das hintere Bein richtig aus.
- Passe die Übung bei Bedarf an: Blöcke, Decken und Variationen machen die Taube für jedes Level zugänglich.
- Es gibt Alternativen: Die liegende Taube (Figure Four) bietet ähnliche Vorteile bei geringerer Kniebelastung.
- Höre auf deinen Körper: Schmerzen (besonders im Knie oder in der vorderen Hüfte) sind ein klares Signal, dass du die Übung anpassen musst.
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Quellen
Itsuda H, Yagi M, Yanase K, et al. (2024). Effective Stretching Positions of the Piriformis Muscle Evaluated Using Shear Wave Elastography. Journal of Sport Rehabilitation, 33(4), 282-288. PubMed ↩︎
Gulledge BM, Marcellin-Little DJ, Levine D, et al. (2013). Comparison of two stretching methods and optimization of stretching protocol for the piriformis muscle. Medical Engineering & Physics, 36(2), 212-218. PubMed ↩︎