Über diese Routine mit langen Haltezeiten
Es gibt diesen Moment, etwa sechzig Sekunden nach Beginn einer tiefen Dehnung, in dem sich etwas verändert. Dein Nervensystem hört auf, gegen die Position anzukämpfen, und beginnt, sie zu akzeptieren. Deine Muskeln lassen eine Schicht von Anspannung los, von der du gar nicht wusstest, dass sie da war. Diese Routine ist genau um diesen Moment herum aufgebaut. Jede Position wird lange genug gehalten, um den anfänglichen Widerstand zu überwinden und echte Veränderungen im Gewebe zu bewirken.
Der Butterfly erleichtert dir den Einstieg mit einer Minute Öffnung der Leisten. Die Taube und der Frosch bekommen jeweils neunzig Sekunden – lang genug, damit die Faszien beginnen, sich zu lösen. Die sitzende Grätsche und der 90-90-Sitz setzen die tiefe Arbeit fort, und die Haltung des Kindes schließt das Ganze ab. Sechs Positionen, fast sieben Minuten anhaltendes Dehnen. Es ist nicht kompliziert, aber es erfordert Geduld.
Zielbereiche dieser Routine
- Faszien und Bindegewebe durch anhaltende Haltezeiten, die über die rein muskuläre Dehnung hinausgehen
- Leisten und Adduktoren durch den Butterfly und den Frosch
- Außenrotatoren und Gesäßmuskulatur durch die Taube
- Seitliche Hüftbeweglichkeit mit der Grätsche und dem 90-90-Sitz
Was dich erwartet

Schmetterling
Dauer: 1:00
Komme in den Schmetterling, um Hüfte und Leisten zu öffnen, während du tief in die verspannten Muskeln atmest.
Level: Anfänger
Anleitung
- Setze dich aufrecht mit ausgestreckten Beinen hin, beuge dann die Knie und lege die Fußsohlen aneinander.
- Greife deine Füße oder Knöchel und lass die Knie locker nach außen fallen.
- Drücke die Knie sanft Richtung Boden, während du die Wirbelsäule lang hältst.
Tipps
- Nutze deine Ellbogen, um die Oberschenkel leicht nach unten zu schieben, aber nur, wenn es sich gut anfühlt.
- Hebe das Brustbein an und vermeide es, den Rücken rund zu machen.
Anpassungen
- Lege Kissen unter deine Oberschenkel, wenn deine Hüfte etwas mehr Unterstützung braucht.
- Setze dich auf eine gefaltete Decke, um dein Becken zu erhöhen und die Dehnung angenehmer zu machen.

Taube
Dauer: 1:30
Lass dich in die Taube sinken, um Verspannungen in Hüfte, Gesäß und unterem Rücken aufzulösen.
Level: Mittelstufe
Anleitung
- Bringe aus dem Vierfüßlerstand ein Knie nach vorne hinter das gleichseitige Handgelenk und winkle das Schienbein in Richtung der gegenüberliegenden Hüfte an.
- Lass das hintere Bein gerade nach hinten gleiten und richte deine Hüften parallel zum Boden aus.
- Senke deinen Oberkörper über das vordere Bein und stütze dich auf Unterarmen oder Händen ab, während du tief atmest.
Tipps
- Halte die Hüften auf einer Höhe, anstatt zu einer Seite abzusinken.
Anpassungen
- Lege eine gefaltete Decke oder einen Block zur Unterstützung unter die Hüfte des angewinkelten Beins.
- Bleibe aufrecht mit den Händen auf dem Boden, wenn sich die Vorbeuge zu intensiv anfühlt.

Frosch-Pose
Dauer: 1:30
Lass dich sanft in die Frosch-Pose sinken, um die inneren Oberschenkel zu öffnen und deinen Hüften eine tiefe, wohltuende Dehnung zu geben.
Level: Mittelstufe
Anleitung
- Beginne im Vierfüßlerstand und stütze dich dann auf deine Unterarme ab.
- Schiebe die Knie zu den Seiten, halte die Hüfte auf einer Linie mit den Knien und drehe die Zehen nach außen.
- Schiebe die Hüfte sanft in Richtung deiner Fersen, um die Dehnung zu vertiefen, und atme dabei ruhig weiter.
Tipps
- Halte die Brust leicht angehoben, damit deine Wirbelsäule schön lang bleibt.
Anpassungen
- Bringe die Knie etwas näher zusammen oder lege Decken unter sie, um die Intensität zu verringern.

Grätsche im Sitzen
Dauer: 1:00
Öffne die Beine zu einer weiten Grätsche und beuge dich nach vorn, um deine Oberschenkelinnenseiten und -rückseiten gezielt zu dehnen.
Level: Mittelstufe
Anleitung
- Setze dich mit ausgestreckten Beinen hin und öffne sie dann weit zu einer Grätsche.
- Lege deine Hände vor dir auf den Boden und strecke deine Wirbelsäule.
- Beuge dich aus der Hüfte nach vorn, senke deinen Oberkörper in Richtung Boden und atme dabei gleichmäßig.
Tipps
- Halte deinen Rücken lang und vermeide es, ihn beim Vorbeugen rund zu machen.
- Ziehe die Füße heran und richte die Zehen nach oben, um die Beine aktiv zu halten.
Anpassungen
- Stütze die Hände auf Blöcken oder einem Stuhl ab, wenn dir die Vorbeuge schwerfällt.
- Setze dich auf eine gefaltete Decke, um deine Hüften leicht anzuheben und bequemer zu sitzen.

90/90-Sitz
Dauer: 1:00
Finde dich im klassischen 90/90-Sitz ein und atme dich in eine tiefere Hüftrotation, ohne die Dehnung zu erzwingen.
Level: Anfänger
Anleitung
- Setze dich mit angewinkelten Knien und aufgestellten Füßen auf den Boden und lass dann beide Beine zu einer Seite fallen.
- Richte das vordere Schienbein vor deinem Oberkörper aus und öffne das hintere Bein nach hinten, sodass jedes Knie einen rechten Winkel bildet.
- Drehe deine Brust zum vorderen Oberschenkel, stelle die Fingerspitzen auf dem Boden ab und mache die Wirbelsäule lang.
- Beuge dich aus der Hüfte nach vorn und lass dich sanft in die Dehnung sinken, während dein Atem ruhig und gleichmäßig fließt.
Tipps
- Stelle dir vor, wie deine Wirbelsäule lang in die Ferne zieht, anstatt den Kopf in Richtung Boden zu drücken.
Anpassungen
- Setze dich auf ein Kissen, einen Yogablock oder eine gefaltete Decke, falls deine Hüften etwas Erhöhung brauchen, um in dieser Position zu entspannen.

Haltung des Kindes
Dauer: 0:45
Lass dich in die Haltung des Kindes sinken, um deinen Atem zu beruhigen und den Rücken mit einer sanften Dehnung zu entspannen.
Level: Anfänger
Anleitung
- Beginne im Vierfüßlerstand, öffne dann die Knie weiter und lass die großen Zehen sich berühren.
- Setze dein Gesäß nach hinten auf die Fersen und strecke die Hände nach vorn aus.
- Senke die Brust zwischen deine Oberschenkel und lege die Stirn auf dem Boden oder einer Unterlage ab.
Tipps
- Krabble mit den Fingerspitzen weiter nach vorn, um die Dehnung in den Körperflanken zu vertiefen.
- Lass deine Brust mit jedem Ausatmen weiter Richtung Boden sinken.
Anpassungen
- Halte die Knie näher zusammen, wenn sich das für deine Hüften besser anfühlt.
- Lege deine Stirn auf einem Block, Kissen oder einer gefalteten Decke ab, wenn sie den Boden nicht erreicht.
Für wen das geeignet ist
Leicht Fortgeschrittene, die sich beim Halten von Positionen wohlfühlen und in tiefere Bereiche vordringen wollen. Auch ideal für alle, die schon einmal Yin Yoga ausprobiert haben und einen ähnlichen Ansatz suchen, der sich speziell auf die Hüften konzentriert. Wenn kurze Haltezeiten nicht mehr den gewünschten Effekt bringen, ist die Lösung vielleicht nicht, mehr Dehnübungen zu machen – sondern sie länger zu halten.
Tipps für die besten Ergebnisse
- Stelle dir einen Timer und nimm dir fest vor, für die gesamte Dauer in jeder Position zu bleiben
- Atme langsam und zähle deine Ausatemzüge, um deinen Geist zu beschäftigen
- Stell dich darauf ein, dass sich die ersten dreißig Sekunden eng und steif anfühlen – das ist völlig normal und geht vorbei
- Nutze Hilfsmittel (Blöcke, Kissen, Decken), um die Positionen für die gesamte Haltezeit erträglich zu machen
Zeit verändert das Gewebe
Dreißig Sekunden Haltezeit erhalten deine Beweglichkeit. Sechzig Sekunden und mehr bauen sie auf. Die Positionen in dieser Routine sind nicht schwerer als das, was du bisher gemacht hast – sie verlangen nur von dir, länger in der Dehnung zu bleiben. Genau in dieser Geduld liegt der wahre Fortschritt.

